Ich tue nur so als würde ich was können – der ehrliche Kampf mit dem Hochstapler-Syndrom

Ich tue nur so als würde ich was können – der ehrliche Kampf mit dem Hochstapler-Syndrom

Inhaltsverzeichnis

Schon mal gehofft, niemand merkt, dass du eigentlich gar keine Ahnung hast? Willkommen im Club der Hochstapler mit Gewissensbissen.

Wie ich lernte, mein eigenes Können anzuzweifeln

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes großes Projekt als Online-Redakteur. Ich saß da, tippte mir die Finger wund, und dachte die ganze Zeit: Gleich kommt jemand rein, schaut mir über die Schulter und ruft: „Erwischt! Der kann das gar nicht!“ Niemand kam. Stattdessen lobte mich mein Chef für den Text. Und ich? Ich grinste unsicher und wartete auf den Moment, in dem alles auffliegt. Typisches Hochstapler-Syndrom.

Dieses Gefühl, unverdient Erfolg zu haben, ist wie ein Schatten, der einem auch in hellstem Licht folgt. Du hast objektiv etwas erreicht, wirst gelobt, bekommst Verantwortung und Anerkennung, aber innerlich klopft der Zweifel an. Und zwar laut. Mehr über persönliche Erfahrungen mit diesem Thema findest du im Beitrag „Hochstapler? Ich doch nicht! Wie ich gelernt habe, mir selbst zu vertrauen“.

Was wirklich hinter dem Hochstapler-Syndrom steckt

Das Phänomen wurde in den 1970ern beschrieben. Menschen mit Hochstapler-Symptomen glauben, ihre Leistungen seien Zufall, Glück oder Überbewertung. Kritisch wird’s, wenn du trotz Fachwissen und Erfahrung ständig davon überzeugt bist, nicht genug zu wissen oder nur Glück gehabt zu haben.

Ich habe irgendwann gemerkt, dass es bei mir mit zwei Sachen zu tun hatte: erstens mit meinem Perfektionismus und zweitens mit meiner verdrehten Vorstellung von „echten Experten“. Ich dachte immer, Experten haben Antworten auf alles. Sie zweifeln nie. Heute weiß ich, das Gegenteil ist wahr. Je mehr du weißt, desto mehr siehst du, was du nicht weißt – und das ist völlig normal. Wenn dich psychologische Hintergründe interessieren, lohnt sich ein Blick in den „Innenwelt“-Podcast von WDR 5.

Typische Gedanken, die den inneren Hochstapler füttern

  • „Wenn ich das geschafft habe, kann das jeder.“
  • „Ich hatte einfach Glück.“
  • „Die wissen nicht, wie wenig ich eigentlich kann.“
  • „Bald merkt jemand, dass ich hier nicht hingehöre.“

Klingt vertraut? Dann bist du nicht allein. Laut Studien betreffen diese Gedanken bis zu 70 Prozent aller Menschen irgendwann im Berufsleben. Und das schließt Führungskräfte, Ärztinnen, Dozenten, Designer, Ingenieure und Marketer gleichermaßen ein. Einen spannenden Überblick über die Ursachen und Forschung findest du im Artikel „Hochstaplersyndrom: Warum du dich im Job unterschätzt“.

Warum Experten besonders anfällig sind

Je größer der eigene Anspruch, desto eher klopft der Hochstapler an. Experten sind oft gründlich, kritisch, analytisch. Sie hinterfragen sich selbst ständig. Das hat Vorteile – etwa, wenn du Inhalte prüfen oder bessere Arbeit abliefern willst. Doch irgendwann kippt’s. Selbstreflexion wird zur Selbstsabotage.

Als ich begann, Workshops zu geben, ertappte ich mich dabei, ständig in Panik zu verfallen. Ich dachte: „Wieso sitzen die hier und hören mir zu?“ Dabei hatten sie sich ausdrücklich mich ausgesucht. Ich hatte Erfahrung, Wissen, Praxis. Trotzdem fühlte ich mich wie ein Kind, das in Papas Anzug zum Vorstellungsgespräch geht.

Der Teufelskreis aus Angst und Anerkennung

Hochstapler-Gefühle werden durch Erfolg nicht kleiner, sondern oft größer. Komplimente führen zu inneren Schnappatmungen, weil du denkst, sie beruhen auf falschen Annahmen. Je besser du wirst, desto mehr Druck entsteht, diesen Standard zu halten. So entsteht ein Kreislauf aus Leistung, Selbstzweifel und Überarbeitung.

Ich nenne das mein „Hamsterrad im Kopf“. Denn sobald ich ein Ziel erreicht habe, setze ich die Latte höher. Ruhig sitzen und sagen „Gut gemacht“ war mir lange fremd. Heute nehme ich mir bewusst Zeit dafür, auch kleine Erfolge zu feiern. Kein Champagner nötig, manchmal reicht ein ruhiger Moment und ein ehrliches „Das habe ich gut hinbekommen“.

Strategien, um den inneren Hochstapler zu zähmen

Hier kommt kein Hokuspokus, sondern Handwerk. Ich habe mir über die Jahre Tricks zusammengesammelt, die funktionieren – nicht immer perfekt, aber besser als ständiges Grübeln.

  • Beweise sammeln: Schreib auf, was du gut kannst, welche Projekte funktioniert haben, wem du geholfen hast. Fakten sticht Gefühl.
  • Komplimente annehmen: Nicht wegwinken. Ein „Danke“ reicht. Kein Erklärungsversuch, warum es eigentlich Zufall war.
  • Perfektionismus runterdrehen: Gut genug ist oft genau richtig. Das echte Leben braucht keine Punktlandung.
  • Gefühle nicht delegitimieren: Du darfst dich unsicher fühlen. Das macht dich menschlich, nicht unfähig.
  • Vergleiche vermeiden: Jeder läuft ein anderes Rennen. Du siehst meist nur die Highlights der anderen.
  • Mentoren suchen: Menschen, die ehrlich sagen, was du kannst und wo du dich selbst kleinredest.

Mit der Zeit habe ich verstanden, dass Selbstvertrauen nichts ist, was man einmal „erreicht“. Es ist ein Muskel, den man trainieren muss. Und genauso wie beim Sport schadet es nichts, sich von Profis unterstützen zu lassen. Bei neu-protec habe ich mal an einem Programm teilgenommen, das sich mit Stressmanagement und Selbstwahrnehmung beschäftigte – und das hat länger gewirkt als jedes Coaching im Konferenzraum.

Der Trick mit der Wahrnehmung

Unser Gehirn spielt uns Streiche. Es bewertet Fehler stärker als Erfolge. Dadurch fühlt sich Lob immer ein bisschen unberechtigt an. Wenn du das erkennst, kannst du den Kreislauf unterbrechen. Keine Gedankenkontrolle, sondern Bewusstsein: „Ah, da ist wieder der Gedanke.“ Und dann: weiterarbeiten.

Ich habe mir irgendwann angewöhnt, den „Zweifel“ zu begrüßen wie einen alten Bekannten. „Na, du auch wieder da?“ Das nimmt ihm die Macht. Humor hilft, weil er Distanz schafft. Du kannst dich selbst ernst nehmen, ohne dich zu ernst zu nehmen. Weitere Ansätze findest du auch im Beitrag „Wie KI mir hilft, meine Nutzer wirklich zu verstehen“, der zeigt, wie Perspektivwechsel mehr Klarheit bringt.

Selbstbewusstsein ohne Arroganz

Manche verwechseln Selbstsicherheit mit Überheblichkeit. Dabei ist echter Selbstwert ruhig. Er muss nichts beweisen. Ich habe Kolleginnen erlebt, die mit glasklarem Auftreten Projekte leiten, ohne laut zu sein. Ihre Stärke ist nicht das Ego, sondern Vertrauen in die eigene Kompetenz. Genau das Ziel lohnt sich anzustreben.

Übrigens merkt man Menschen an, ob sie sich selbst vertrauen. Nicht durch Worte, sondern durch Haltung. Das macht Gespräche leichter, Entscheidungen klarer und Zusammenarbeit angenehmer. Wer weiß, dass er etwas kann, muss es nicht dauernd betonen.

Die Rolle des sozialen Umfelds

Ich habe gelernt, dass mein Umfeld großen Einfluss auf mein Selbstbild hat. Wenn du dich ständig mit Menschen umgibst, die an dir zweifeln, überträgt sich das. Aber mit Leuten, die ehrlich und konstruktiv sind, lernst du, deine Stärken realistischer zu sehen.

Ich erinnere mich, wie eine Kollegin zu mir sagte: „Du denkst zu viel darüber nach, ob du genug bist. Sei lieber stolz darauf, dass du schon so weit bist.“ Dieser Satz saß. Ich hab ihn mir auf einen Zettel geschrieben und neben den Bildschirm geklebt. Manchmal reicht genau so ein Satz, um den Blickwinkel zu drehen.

Wie Unternehmen helfen können

Natürlich ist es auch eine Aufgabe der Arbeitskultur, solche Gefühle ernst zu nehmen. Wenn Fehler nicht als Scheitern, sondern als Lernprozess gesehen werden, sinkt der Druck. Feedback sollte nicht nur Kritik, sondern auch Anerkennung enthalten. Das zaubert kein Selbstbewusstsein herbei, aber es schafft Raum, es wachsen zu lassen. Wie du motivierendes Feedback und authentische Markenkommunikation gestalten kannst, erfährst du in „Wie deine Marke online Charakter bekommt – von der Farbpalette bis zum Tonfall“.

Ich habe in Teams gearbeitet, wo jeder so tat, als wüsste er alles. Da herrschte eher Angst als Kreativität. In offenen Teams, in denen man sagen darf „Ich weiß das nicht“, entsteht Vertrauen. Und das ist der beste Gegenspieler zum Hochstapler-Syndrom.

Ein paar ehrliche Wahrheiten zum Schluss

Niemand weiß alles. Niemand hat immer recht. Jeder macht mal Unsinn. Das zu akzeptieren ist keine Schwäche, sondern Befreiung. Wenn du dich das nächste Mal fragst, ob du wirklich Expertin oder Experte bist, frag dich stattdessen: „Was habe ich in den letzten Jahren gelernt?“ Und dann beantworte das ehrlich. Da steckt mehr drin, als du denkst.

Selbstvertrauen riecht nicht nach Ego, sondern nach Ruhe. Es muss nicht glänzen. Es steht manchmal einfach nur still da und denkt: Ja, das habe ich geschafft. Und das reicht vollkommen.

Und falls dein innerer Kritiker wieder laut wird, sag ihm: „Danke für deine Meinung. Jetzt sei still, ich habe Arbeit zu tun.“

Lesetipps und kleine Schritte für jeden Tag

  • Lies Erfahrungsberichte anderer Fachleute, die über Hochstapler-Gefühle sprechen – das normalisiert die eigenen Zweifel.
  • Führe ein Erfolgsjournal, egal ob digital oder analog. Schon drei Zeilen am Tag verändern deinen Blick auf dich selbst.
  • Sprich über deine Unsicherheiten, bevor sie sich im Kopf aufblähen.
  • Geh ehrlich mit dir um. Nicht ständig bewerten, lieber wahrnehmen.

Das Hochstapler-Syndrom ist kein Urteil, sondern eine Einladung. Eine Einladung, dich selbst neu kennenzulernen und deine eigenen Maßstäbe zu überdenken. Vielleicht liegt wahre Professionalität genau darin: sich selbst nicht mehr kleinzureden.

Ich weiß jetzt, dass Expertentum nicht das Ende des Lernens bedeutet, sondern die Bereitschaft, weiter dazuzulernen. Der Hochstapler darf bei mir bleiben, solange er leise bleibt. Ich gebe ihm manchmal Kaffee, aber die Entscheidungen treffe ich.

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